Lokales Streaming: Einstieg in die mobile Zukunft

Der Streamingdienst airtango setzt vor allem auf lokale Inhalte und eröffnet den Werbetreibenden damit ganz neue Darstellungsmöglichkeiten.

Der Zuspruch im Rahmen der Live-Berichterstattung über die zurückliegende Saison der Crailsheim Merlins sprach Bände. Der Streamingdienst aus Erkenbrechtshausen verschaffte den Korbjägern Reichweitenzuwächse, die von deren Machern fast für utopisch gehalten wurden.

Als die Spiele der Basketballer noch auf der abteilungseigenen Homepage „live“ übertragen wurden, hielt sich das zusätzliche Interesse in überschaubaren Grenzen. Vor allem die rudimentäre Technik mit einer Kamera auf Höhe der Spielhälfte und die geringe Leitungskapazität machte die ruckelnde Bildfolge bestenfalls für Hardcorefans attraktiv. Mit dem Einstieg von airtango  veränderten sich die Gegebenheiten. Vor dem Aufstieg in die erste Liga vor vier Jahren konnten die Vorzeigebasketballer rund 1.350 Zuschauer und ein paar hartgesottene Videofans für sich begeistern.

Die BBL professionalisierte dann die Liveübertragung und gab elektronische Standards vor. Einrichtungen wie der Liveticker verschafften den Usern erstmals den direkten Zugang zu wichtigen Spieldaten. Das Geschehen auf dem Parkett ließ sich zudem fast in Echtzeit verfolgen. Trotzdem war die Begleitung regionaler Ereignisse weiterhin vor allem eine Spielwiese von großen Anbietern, wie etwa der Telekom. Nach dem Abstieg der Merlins aus dem Oberhaus nutzte das Start-up airtango dann die Gunst der Stunde. Der Betrieb mit dem außergewöhnlichen Firmensitz sicherte sich die Rechte für die Live-Berichterstattung der Bundesliga Pro B und baute wettbewerbsfähige Qualitäten  in Sachen Technik auf, die einen Vergleich  mit großen Übertragungen nicht mehr zu scheuen brauchen. Bis zu sechs Kameras in der Halle, dazu bewegliche Aufnahmegeräte am Spielfeldrand und Live-Interviews liefern eine beeindruckende Bildauswahl, die zusätzlich durch Textservice, Zeitlupen, Einspielern und aktuelle Spieldaten ergänzt.

„Lokales Geschehen professionell in Wort und Bild zu begleiten und es dem User selbst zu überlassen, wann er den Service nutzt, ist die Basis einer Geschäftsidee“, die Firmengründer Steffen Knödler in den zurückliegenden zwei Jahren konsequent mit Leben füllte.

Rund 1.500 weitere Nutzer

Legt man die Auswertung der Gesamtdaten der Basketball-Bundesliga zugrunde, dann verfolgen neben den Zuschauern in der Halle jedes einzelne Ligaspiel noch jeweils rund weitere 1.500 Nutzer, ohne stationär gebunden zu sein. Tendenz stetig steigend. Die konsequente Ausrichtung am Dienstleistungsgedanken des Streamingdienstes mit seinen rund 30 Mitarbeitern trug nicht unwesentlich dazu bei, dass sich etwa zu den einzelnen Halbfinal-Partien gegen Trier zusätzlich mehr als 6.000 User zuschalteten. Über die IP-Adresse der Rechner lassen sich die Daten geografisch gut zuordnen. Nimmt man für die Gesamtnutzung die langjährigen statistischen Erfahrungen der Medienforschung, dann verfolgten in einem Radius von 15 Kilometern rund um Crailsheim fast 14.000 Menschen die Play-Off-Spiele.

Vorstand Steffen Knödler regelrecht begeistert: „Das bedeutet, dass rund 20 Prozent aller Einwohner an den Bildschirmen saßen.“ Weitere Zusprüche aus anderen Regionen, etwa von auswärtigen Studenten oder Arbeitnehmern sind dabei noch nicht mal eingerechnet. Für das langjährige Mitglied der IHK-Vollversammlung ist der Erfolg die Belohnung dafür, den Widrigkeiten der Anfänge standhaft getrotzt zu haben. Knödler: „Einen Streamingdienst für einen kompletten Ligabetrieb mit unterschiedlichen technischen Voraussetzungen, ohne Standardequipment und eingeschränkten Leitungskapazitäten aufzubauen, war eine enorme Herausforderung.“

Da sich die Filmtechnik selbst, aber auch die Übertragungstechnik fortlaufend verbessert, ist sich Knödler nicht nur sicher, „dass künftig durchgängig Topqualität geboten“ werden kann, sondern den Streamingdiensten mit regionalen Inhalten „generell die Zukunft“ gehört. Sport ist dabei nur ein Content, der gut angenommen wird, wie etwa auch die Beispiele der Live-Berichte der American Footballer der Haller Unicorns oder Hurricanes in Onolzheim zeigen.“

Den Themen sind keine Grenzen gesetzt

Doch für Steffen Knödler gibt es inhaltlich kaum Einschränkungen: „Es lässt sich wirtschaftlich sinnvoll fast alles übertragen, das mit einem gewissen Publikumszuspruch rechnen kann.“ Der Stream als lokale Plattform für Podiumsdiskussionen, Feste, Auftritten von Künstlern oder Feiern. Knödler: „Den Themen sind eigentlich keine Grenzen gesetzt.“

Für Werbetreibende ist besonders reizvoll: Die eigene Präsentation lässt sich gezielt zuschalten und konsequent auf eine Zielgruppe ausrichten. Einschränkungen sieht Knödler allenfalls in der Präsentation an sich. Videos oder Produktpräsentationen in Fernsehqualität erfordern einfach einen gewissen Aufwand. Sein Rat: „Unbedingt die Profis bei der Gestaltung mit heranziehen.“ Ein Geschäftsfeld aus dem sich airtango strikt heraushalten will. Steffen Knödler „Wir sorgen für die Channels, kümmern uns um eine erstklassige Übertragungstechnik, sorgen für entsprechende Partner – aber die Aufarbeitung der Inhalte überlassen wir schön den Fachleuten.“

Start-up mit Vision

Das Live Streaming Network airtango wurde vor drei Jahren von Steffen Knödler gemeinsam mit weiteren Geschäftspartnern gegründet. Herzstück des Unternehmens ist eine Video-Contentplattform für die Ausstrahlung von sogenannten Live-Streams auf mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets und natürlich allen PCs.

Angebote

Das Unternehmen bietet entsprechende Apps für die ortsbezogene Auslieferung von Videos für die Bereiche Sport, Entertainment und Travel. Speziell neben der weltweiten Auslieferung bieten die mehr als 30 Mitarbeiter auch den Service, die Inhalte an speziellen Orten wie Flughäfen, Messen, Events, Einkaufszentren, Praxen oder Krankenhäusern auszuliefern.

Region

Die Zentrale von airtango befindet sich im Wasserschloss Erkenbrechtshausen bei Crailsheim.